Hessisch-Niedersächsische Allgemeine
30.3.04 Lokalteil Hofgeismarer Allgemeine
 
 

Bei Kerzenschein der Musikwelt des Mittelalters lauschen

HOFGEISMAR. Nach Stadthallenbühnen, Bürgerhäusern und Freilufttheatern hat das nordhessische Musiktheater Dingo nun mit seinem mittelalterlichen Lieder- und Musikprogramm auch die Kirchen erobert.

Damit rundet sich das durch mittelalterliche Kleidung und Instrumente geschaffene Bild nun auch akustisch und bühnenbildtechnisch ab: Bei der Präsentation ihres neuen Programms O Maria Flos Virginum am Sonntagabend in der Altstädter Kirche in Hofgeismar tauchten die 120  Zuhörer bei Kerzenschein ein in die Musikwelt des Mittelalters. Zumindest für die kirchlichen Gesänge näherte sich die Raumakustik den Vorbildern, wie sie vor 800  Jahren vielleicht geklungen haben. Für die weltlichen Lieder musste man sich die entsprechende Geräuschkulisse eines Königspalastes oder einer kleinen Versammlung hinzudenken.

Nach der Premiere am Abend zuvor bei der Kulturnacht in Nieheim war Hofgeismar die zweite Station, bei der Dingo sei neues, inzwischen viertes Mittelalterprogramm vorstellte. Es ist für Kirchen, Kapellen und Klostermauern gedacht und präsentiert die Gesänge der Mönche und Kreuzfahrer und die traurigen Gesänge der Minnesänger und südfranzösischen Troubadoure – den Blues des Mittelalters. Das Programm der 13 Musiker und Sänger bot eine breite Spannweite der Gefühle und musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten mit Nachbauten mittelalterlicher Instrumente wie Harfe, Flöte, Sackpfeife und Laute.

Das von Dr. Lothar Jahn (links im Bild) arrangierte und teilweise ins heutige Deutsch übersetzte Programm mit 20 Liedern auf Französisch, Latein, Spanisch und Mittelhochdeutsch sollte Kontrast und Parallelen deutlich machen. Und zwar zwischen der gläubigen Anbetung der unbefleckten Maria und dem unerfüllten Sehnen nach der Dame am Hof, die Thema der meisten Lieder waren, ergänzt um ausgelassene Musik und weltliche Liebeslieder. Dem Laien erschlossen sich Inhalt und Form der Lieder zwar meist erst nach genauem Zuhören und Textstudium – der Reiz dieser fernen Welt bot sich aber jedem, der einfach nur lauschte.  (TTY)