Rügen
hört Wizlaws Lieder
Hessische Singspiel-Truppe erinnert an den Minnesänger von der
Ostsee
Ein hessisches
Amateurtheater bringt den Rügen-Fürsten wieder auf seine Insel:
Reinhold Schmidt
spielt den gewitzten Minnesänger.
Foto: dt
Ummanz/Hofgeismar (OZ) Rügen erwartet so etwas wie die Heimkehr des verlorenen Sohnes. Wizlaw III., letzter slawischer Fürst der Herrschaft Rügen/Barth und zugleich der einzige Minnesänger von der Ostseeküste, wird mit der Uraufführung des Singspiels „Wizlaw, der Verführer“ durch das Musiktheater Dingo aus Hofgeismar (Nordhessen) dem Vergessen entrissen. OZ befragte Dr. Lothar Jahn, den musikalischen Leiter der Gruppe und Autor des Stückes.
OZ: Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem Singspiel?
Dr. Jahn: Das Stück ist ein historischer Bilderbogen geworden, voller Dramatik und Spannung. Es spielt in der Zeit, als die Hansestadt Stralsund Krieg mit dem dänischen König führte, mit dem der Ruganer verbündet war. Wizlaw selbst war eine schillernde Figur: Liebling der Damenwelt und begnadeter Künstler, ein Bruder Leichtfuß mit schwergewichtigen Gedanken, einer, der bezauberte und empörte.
OZ: In dem Stück werden alle 17 überlieferten Lieder von Wizlaw zu hören sein – wird das die Zuhörer nicht überfordern?
Dr. Jahn: Lassen Sie sich überraschen. Wizlaw war nicht mehr der klassische Minnesänger. Seine Melodien sind erstaunlich vielgestaltig und vital, und seine Texte sind manchmal frech und erotisch.
OZ: Wie kam es denn überhaupt zu der Idee?
Dr. Jahn: Der eigentliche Anstoß kommt von Jens Ruge aus Hamburg. Der Wizlaw-Kenner (www.wizlaw.de) hat das Singspiel „Minne, traute Minne“, das unsere Gruppe seit 2001 aufführt, erlebt und war auch von dem Wizlaw-Lied darin begeistert. Nachdem wir alle Lieder des Sängerfürsten in der berühmten Jenaer Liederhandschrift kennen gelernt hatten, dachten wir ursprünglich an eine CD-Produktion und fragten bei der Kulturstiftung Rügen um Unterstützung an. Die machten dann den Vorschlag, Wizlaw nach Rügen und auf die Bühne zu bringen. Das war vor einem Jahr. Peter Will hat die Lieder ins Hochdeutsche übertragen, ich habe aus Wizlaws bewegtem Leben und aus den Liedern das Singspiel zusammengefügt. (Anmerkung: Die Ostseezeitung hat hier das Interview falsch wiedergegeben. Richtig muss es heißen: "Ich habe die Lieder ins Hochdeutsche übertragen, Peter Will und ich haben aus Wizlaws bewegtem Leben und aus den Liedern das Singspiel zusammengefügt. L.J.") Im April war es fertig. Einstudiert haben wir es übrigens auf mittelalterlichen Instrumenten wie Drehleier, Laute, Rauschpfeife, Harfe, Fidel und Dudelsack.
OZ: Und was bekommen die Augen geboten?
Dr. Jahn: Farbenprächtige und stilechte Kostüme.
OZ: Wer sind eigentlich die Mitwirkenden?
Dr. Jahn: Das Musiktheater Dingo besteht seit 25 Jahren. Beim Wizlaw-Spiel wirken 14 Mitglieder mit, die meisten beherrschen zusätzlich mindestens ein Musikinstrument. Fast alle gehen als Amateure bürgerlichen Berufen nach; ich bin ansonsten Musikjournalist.
Interview: GERD RICHARDT
Rügen-Tournee: Premiere am Sonnabend um 19.30 Uhr in der Pfarrscheune Ummanz, Karten vorab unter
038305 – 53 481 (9 – 15.30 Uhr);
3.8., 15 Uhr Kap Arkona;
4.8., 16 Uhr Dranske und
6.8., 17 Uhr Groß Schoritz