Lothars Liederbuch LOTHARS LIEDERBUCH
Texte und Musik von Lothar Jahn


Lothar Jahn, geb. 1957, schreibt seit 1970 eigene Lieder.  Er sang sie selber zur Gitarre oder zum Klavier, schrieb für verschiedene Ensembles wie PTHR, Jaw-Bone und Aaron, für seine Duos "Buggi und Mozarts" und "Duo mit Udo", vor allem aber immer wieder für das Musiktheater Dingo.


Neben vielen eigenen Melodien verwandte er auch Folksongs wie "As I roved out" oder "The Cuckoo" , vertonte oder bearbeitete mittelhocheutsche, altfranzösische oder provenzalische Texte und Melodien, schrieb Musicals, Rock-Opern und Kabarettprogramme. Aus dem umfangreichen Material hat er 100 Lieder, die ihm persönlich am Herz liegen, herausgesucht und mit Noten und Akkorden festgehalten. Diese sind nur in "Lothars Liederbuch" vereint, das am 23. März 2019 erstmals live im Café Bahnhof Calden-Fürstenwald präsentiert wird.

20 davon sind auf der CD "Aus Lothars Liederbuch" festgehalten. Eine Auswahl ist an diesem Abend zu hören. Neben Lothar Jahn (Gesang, Saiteninstrumente, Klavier) sind an diesem Abend als Gäste dabei: Peter Will (Gesang, Gitarre), Claudia Heidl (Akkordeon, Rauschpfeife, Gesang), Benjamin Flux (Geige, Gesang) und Dagmar Jahn (Gesang, Flöten). Eintritt frei, Spenden erbeten.

> PREMIERE 23.3.19, 19.30 Uhr. Eintritt frei, Spenden erwünscht. Voranmeldung unter 05671-925355.
> Bestellung Liederbuch und CD bei Dr. Lothar Jahn, Guderoder Weg 6, 34369 Hofgeismar, 05671-925355.

DIE VOLLSTÄNDIGEN LIEDTEXTE
DER CD "AUS LOTHARS LIEDERBUCH"

01 ZEITEN 

Text und Musik: Lothar Jahn 1970

Das ist das Lied von der Vergangenheit,
Das Lied, von dem, was war,
Doch in dem Lied von der Vergangenheit,
Bist du noch nicht da,
Bist du noch nicht da,
Bist du noch nicht da.

Das ist das Lied von einer fernen Zeit,
Der Zukunft hell und klar,
Doch in dem Lied von dieser fernen Zeit,
Bist du nicht mehr da,
Bist du nicht mehr da,
Bist du nicht mehr da.

Das ist das Lied von der Gegenwart,
Das schönste Lied für mich,
Denn in dem schönen Lied der Gegenwart,
Da liebe ich dich,
Da liebe ich dich,
Da liebe ich dich.


02 WÜSTENSAND 
Text und Musik: Lothar Jahn 1975


Die Nacht war unerträglich kalt,
Der Tag brennt uns die Kleider vom Leibe,
Brennt mir die Tinte aus der Feder,
Mit der ich diese Zeilen hier schreibe.
Ob jemals wieder Wasser fließt?
Ob jemals wieder Lippen mich küssen?
Ich sehe nur Unendlichkeit
Und alles and're ist so weit...

Wir müssen weiterzieh'n
Immer der Sonne entgegen,
Weiter durch den Wüstensand
Und nur wir Narren träumen vom Regen.

Als ich noch niemals die Wüste geseh'n,
Wie habe ich von ihr geträumt!
Wenn Träume in Erfüllung geh'n,
Wird Fantasie aus der Wirklichkeit.
In Pyramiden wollt' ich suchen
Dort in den Schätzen der Pharaonen
Nach Zeichen aus vergangener Zeit
Im Sonnentempel der Illusionen.

Wir müssen...

Du weißt, das Leben ist eine Wüste.
Die Menschen ziehen in Karawanen,
Um Wirklichkeit aus all dem zu machen,
Was sie sich in stillen Stunden erahnen.
Du bist die Sphinx und ich das Kind,
Das zu ihren Füßen muss spielen.
Du lachst, wenn ich im Sand versinke
Und wenn die Hitze mich verbrennt.

(gesprochen:) Du lachst, wenn ich im Sand versinke
Und wenn die Hitze mich verbrennt.


03 JESUS
Text und Musik: Lothar Jahn 1974


Ich sitze hier in meinem Zimmer
Und ich weiß noch nicht mal wie
Ich all das sagen will, was ich nicht sagen kann,
Und so sag ich es wohl nie.
Gib mir die Worte! Schenk mir Erleuchtung!
Zeig meinen Augen endlich Licht!
Will keine Brille, nur Augen, die gut seh'n.
Nein, mehr als Klarheit braucht es nicht.

Man nennt ihn Jesus, den Kerl, der schuftet,
Beim Theater, auf dem Bau.
Den Friedensstifter, den Friedhofsgärtner,
Die Sängerin, die Blumenfrau.
Er ist der Mensch, den diese Welt noch quält,
Ihm lässt das Elend keine Ruh.
Wenn du ihn seh'n willst, dann kämpf für Freiheit,
Dann ist er ganz wie ich und du.

Das Grabesdunkel, die Totenstille
Hat mir mein Leben nahegebracht.
Ich hör von Ferne Musik erklingen,
Bin eingeschlafen und erwacht.
Die ander'n rauchen, die and'ren tanzen,
Und lassen mich alleine steh'n.
Gib mir die Flasche – ich möchte trinken!
Ich bin zu hilflos, um zu seh'n.

Man nennt ihn Jesus... (s.o.)

Halt dich nicht fest bei Religionen
An ihrem Bild von Freund und Feind.
Allah und Jesus, Buddha und Manitou
Sind doch am Jüngsten Tag vereint.
Die Story endet, ein Penner betet noch
Zu der letzten Lichtgestalt,
Ich bin verloren und auserkoren.
Das Licht geht aus. Die Welt wird kalt.


04 EISWÖLFE
Text: Lothar Jahn 1976
Musik: Roland Matthes, Dieter Pristl, Lothar Jahn 1976


Dort, wo die Sonne grauweiß ihre Kreise malt,
Dort sind die Wölfe zuhaus.
Sie leben in blitzblanken Löchern mit Moosteppich,
Nur nachts schleichen sie in den Wald.
Dort fressen sie Kälte und atmen Erfrorenes
Und in ihren Augen glüht Hass.
Sie wissen Verbotenes und reden nur Schweigsames
Und nichts ist so Winter wie Sie.

Brüder, seht euch vor, manch ein Herz erfror,
Wurde hart wie Stein, wollt ihr denn Eiswölfe sein?

Sie gönnen dem Horizont nicht seine Lichter,
Sie reißen die Wolken entzwei.
Sie thronen in Baumwipfeln, hoch auf den Traumgipfeln
Wachen sie über ihr Reich.
Dort, wo nie Freiheit war, dort, wo Gewalt nur zählt,
Heben sie stolz ihren Kopf,
Der soviel List ersinnt, dass er die Zeit bestimmt
Und über Menschen nur lacht.

Schwestern, seht euch vor...

Schreib deinen Namen mit Zeichen aus Feuer
Dorthin, wo die Eisblume blüht!
Schnee kann auch tauen, drum glaubt an die Sonne,
Weil Wärme die Wölfe verwirrt.
Auf ihren Herzen liegt hart eine Eisschicht,
Die Gestern und Heute regiert.
Schlag die Geschichte nach, denn bis zur Gegenwart
Schrieb sie der Eiswölfe Blut.

Menschen, seht euch vor...


05 KOMM HALT MICH FEST
Text und Musik: Lothar Jahn 1976

Wenn mein Raum so leer wirkt, wenn Gitarren weinen
Die Tränen meines ungelebten Lebens,
Seh ich Straßenlampen durch mein Fenster scheinen.
Doch mir scheint, ihr Lampen scheint vergebens!
Mir ist klar,
Dass gestern schöner war.
Und was kommt morgen?

Wenn die Straßen still sind, die wir zwei gemeinsam geh'n,
Klagen wir uns gerne unser Leid.
Wir seh'n Straßenlampen auf der and'ren Seite steh'n,
Wo wir gehen, ist nur Dunkelheit.
Uns ist klar,
Dass gestern schöner war.
Und was kommt morgen?

Komm, halt mich fest,
Solang man uns lässt,
Teilen wir uns're Einsamkeit durch zwei.
Jeder hatte sein Glück,
Jeder blieb allein zurück.
Wenn wir einsam sind zusammen,
Zusammen,
Geht die Nacht vorbei.



06 IM HEU AUF DEM DACH
Text: Lothar Jahn 1975
Musik: Peter Will, Lothar Jahn 1975

Da war eine Zeit ohne Zank, ohne Streit,
Als wir beide zu zweit ohne Ruh
Beschlossen die Welt zu verändern im Kern
Über Nacht, unbedacht, doch im Nu.

Du weißt, die Zeit verflog in den Sommer,
Wir wuchsen heran.
Du weißt, die Zeit verflog in den Sommer,
Die Trägheit begann.

Im Heu, auf dem Dach, da wurden wir wach,
Und als kommende Retter der Welt
Pflanzten wir Regenbogen, doch noch vor erster Ernte
Zerstörten wir selber das Feld.

Ja, da war eine Zeit ohne Zank, ohne Streit,
Als wir beide zu zweit ohne Ruh
Beschlossen die Welt zu verändern im Kern
Über Nacht, unbedacht, doch im Nu.

Über Nacht, unbedacht, doch im Nu.


07 DIZZY DIDDY
Text und Musik: Lothar Jahn 2017

Dizzy Diddy war ein Neuer, kam von oben zu uns her,
Er war sitzen geblieben, hatte stets nur abgeschrieben.
Diddy liebte Abenteuer, Hausaufgaben nicht so sehr,
Denn es gab so viele Sachen, die konnt man statt dessen machen.
Da war Lady Madonna, ja, sie kam aus Gloryland,
Und schon rief sie: "Jungs, get ready, ihr braucht endlich eine Band!
Schaut dem Jimi auf die Finger, in Euch steckt das Voodoo Child!
Ihr seid born, born, born to be wild! Ihr seid born, born, born to be wild!"

Dizzy Diddy hatte Feuer, ja, er kam von oben her,
Wusste mehr schon von der  Liebe und er liebte seine Triebe.
Diddy suchte Abenteuer, eine Freundin fehlte sehr,
Die sollt sich an seinem Dicken doch nach Herzenslust erquicken.
Doch nur Lady Madonna kam aus Gloryland
Wieder rief sie: "Jungs, get ready, ihr braucht endlich eine Band!
Schaut dem Jimi auf die Zunge, in Euch steckt das Voodoo Child!
Ihr seid born, born, born to be wild! Ihr seid born, born, born to be wild!"

Dizzy Diddy war kein Scheuer und er wollte viel, viel mehr,
Er trug Frottee-Unterhosen, doch er trank schon Bier aus Dosen.
Eines Abends fing ich Feuer, plötzlich fiel's mir gar nicht schwer:
Da hab ich wie neu geboren mein Herz an den Rock verloren.
Oh ja, Lady Madonna führte uns ins Gloryland,
Diesmal rief sie: "Jungs, get ready, ja, jetzt habt ihr eure Band!
Nutzt die Finger und die Zunge, so nur kommt das Voodoo Child!
Ihr seid born, born, born to be wild! Ihr seid born ... to be wild?“

Diddys Band hieß Dizzy Fire. Doch es kam nicht grad gut an,
Als wir auf der Party spielten, gierig nach den Mädels schielten.
Schlechte Stimmung bei der Feier. Ach, die Girls, die fragten: "Wann
Gibt's denn endlich wieder Platten?" Also Schluss! Na gut, wir hatten
Ja noch "Lady Madonna" und die Single"Gloryland",
Auf LP sogar "Get Ready", da verzieh man uns die Band.
Also tanzten wir zu Jimi, suchten unser Voodoo Child,
Wir war'n born born, born to be wild, wir war'n born, born, born to be wild.

Diddy war zu wild geboren, musste Dizzy Rider sein   
Und in seinen jungen Jahren viel zu schnell Motorrad fahren.
War die Straße zugefroren? War der Kurvenradius klein?
Der von oben hergekommen, wurde uns brutal genommen.


08 NORDWIND
Text: Lothar Jahn 1976
Musik: Lothar Jahn/Roland Matthes 1974/76

Ein eiskalter Wind bläst von Norden,
Über Nacht ist es Winter geworden,
Soldaten ziehen in Horden durch das Land.
Und wieder werden Fahnen geschwungen
Und wieder werden Hymnen gesungen
Und wieder werden die Jungen an die Front geschickt
Fürs Vaterland - auf in den Tod.

Vielleicht fällt die Bombe schon morgen,
Vielleicht lässt man uns auch noch warten
Und weinen und uns sorgen bis zuletzt.
Jetzt gibt es keine Fragen mehr,
"Warum?", "Für wen?", "Wohin?", "Woher?"
Sind verbotene Worte geworden, die keiner spricht,
Das Vaterland braucht keinen Grund.

Und wieder regieren die Dummen,
Die sich räkeln in Uniformen,
Deren Rufe nie verstummen nach noch mehr Macht.
Oh nein, jetzt gibt es kein Aufhalten mehr,
Die Menschheit ist ein Insektenheer,
Das kriecht und sticht und brummt, bis es verstummt
Und im Tod erst ruhig wird.


09 SCHEITERHAUFEN
Text: Lothar Jahn 1977
Musik: Dieter Pristl, Roland Matthes, Lothar Jahn 1977

Schaut sie euch an, dort droben am Pfahl,
Gefesselt wartet sie auf den Tod.
Schaut Sie euch an, noch ein letztes Mal,
Schon bald färbt Feuer den Himmel rot.

Sie hat ganz einfach die Wahrheit gesagt,
Wie man's schon lang nicht mehr tut.
Sie hat den Schritt aus dem Käfig gewagt,
Niemand sonst hatte den Mut.

Nun stand sie draußen und schaute herein,
Da rieft ihr die Wärter herbei:
"Ihr Herren, bestraft sie! Sie machte sich frei,
Denn niemand darf fliehen, wer immer es sei.
Der Käfig ist Fügung, von Gott ganz allein,
Es gab ihn schon immer, drum muss es so sein."

Schaut sie euch an, dort droben am Pfahl,
Nun färbt schon Feuer den Himmel rot.
Kommt her und begeistert euch an ihrer Qual
Und seht, seht, seht, was allen Ausbrechern droht!


10 CHROM
Text: Lothar Jahn 1977
Musik: Dieter Pristl, Roland Matthes, Lothar Jahn 1977

Auf dem Ortsschild stand: Hier endet Niemandsland.
"Zwei Wege", so sagte man mir: "Zwei Wege nur führen fort von hier."
Also nahm ich den dritten, dieser führte mich mitten durch die Häuserwand,
Hunde heulten, kamen angerannt. Zu spät! Ich war schon fortgeritten.

Schlachthaus, mit Todesschreien gekachelt:
Mein Pferd wird sauber zu Koteletts zerlegt.
Aus Knochen formen sie Automobile.
Einer nach dem ander'n steigt ein, fährt hinein in den Tunnel, ins Dunkel.
Henry Ford mit schwarzem Zylinder lockt sie alle mit blitzendem Chrom.

Autobahn - Staus von endlosen Meilen. Im Radio wird immer wieder gewarnt:
Der Bussard stößt ab und zu in die Tiefe.
Und er sucht sich sein Opfer unter vielen heraus, frisst nur Nahrung aus Dosen,
Wirft den Schrott nach vollendeter Mahlzeit ohne Skrupel zurück in den Stau.

Vorsicht! Am Straßenrand hebt den Daumen
Der Tramper, die Sense im Handgepäck.
Vorsicht! Sein Fuß will das Gaspedal treten.
Doch säß am Ende der Fahrbahn unterm letzten Verkehrsschild
Sie und ließe mich fahren auf noch untentdeckten Straßen in ihr:
(gesprochen:) Ich gäbe Gas!


11 WO BIST DU, GELIEBTE
Text: Lothar Jahn 1982
Musik: Lothar Jahn nach "As I roved out", trad., Irland

Wo bist du, Geliebte? Sag an: Sag, wo bist du geblieben?
Wo bist du, Geliebte? Sag an! Ich möcht dich so gern lieben.
Oh Schreck, oh Schreck, Du warst plötzlich weg. Ein Fleck ist nur geblieben.
Sag mir: Fodiddldu, fiddldiddldiddldamm, wohin hat's dich getrieben?                                     

Wo bist du Geliebte? Sag an: Spielst du vielleicht Verstecken?
Wo bist du, Geliebte? Sag an! Willst du mich nur erschrecken?
Komm raus, komm raus, sei doch keine Maus! Was willst du in dunklen Ecken?
Komm nur: Fodiddldu, fiddldiddldiddldamm! Ich kann dich nicht entdecken.

Wo bist du, Geliebte? Sag an: Bist du vielleicht auf Reisen?
Wo bist du, Geliebte? Sag an! Du kostest fremde Speisen.
Okay, okay, dort in Übersee erklingen schöne Weisen.
Nicht nur "Fodiddldu, fiddldiddldiddldamm!" Verkehrst du in bess'ren Kreisen?

Wo bist du, Geliebte? Sag an: Warum bist du verschwunden?
Wo bist du, Geliebte? Sag an! Hast du Abwechslung gefunden!
Gib's zu! Gib's zu: In der Nacht machst du dir ein paar heiße Stunden!
Machst nur: Fodiddldu, fiddldiddldiddldamm! Das kann mich nicht verwunden!

Wo bist du, Geliebte? Sag an: Sag, liebst du nur noch Frauen?
Wo bist du, Geliebte? Sag an! Kannst keinem Mann mehr trauen?
Na klar, na klar, du, es ist schon wahr, dass wir Männer viel versauen!
Immer: Fodiddldu, fiddldiddldiddldamm! Kannst auf Verständnis bauen!

Wo bist du, Geliebte? Sag an: Hast du etwa einen Neuen?
Wo bist du, Geliebte? Sag an: Hast du einen Braven, Scheuen?
Oh nein, oh nein, sperrt er dich gar ein, um dir Treue einzubläuen?
Einfach: Fodiddldu, fiddldiddldiddldamm! Lässt du dich so betreuen?

Wo bist du, Geliebte? Sag an! Du, ich darf dich doch so nennen?
Wo bist du, Geliebte? Sag an! Wo wir uns so lang schon kennen...
Sie schleicht, sie schleicht, um mich rum vielleicht und gibt sich nicht zu erkennen.
Sie, an die ich mich erinnern kann, kann ich nicht mehr erkennen.


12 TREUE DIENSTE
Text: Lothar Jahn 1999, Nachdichtung von Tannhäusers "Staeter dienest" (13. Jh.)
Musik: Lothar Jahn nach Kolmarer Liederhandschrift, 16. Jh.

Treue Dienste, die sind gut, die man edlen Damen tut. 
Ich hab' meine auch getan, durfte ihr den Salamander bringen. 
Weiter hat sie mir befohlen, ihr das Meer vors Haus zu holen, 
Ich befolgte jeden Plan, wollte ja ihr stolzes Herz bezwingen. 
"Schick die Donau in den Rhein," so und ähnlich klangen die Befehle. 
"Denn bei mir, da gibt's kein Nein, du sollst ganz mein Diener sein, 
Dass ich dich, ja, dich allein mir zum Liebsten wähle,  Heiahei! 
Mir gehört dein Herz und deine Seele!"

Mehr, mehr, mehr, sie will immer immer mehr,
Noch viel mehr als vorher, sie will immer immer mehr.

In meinem süßen Liebeswahn hab ich dies und das getan, 
Sang die schönsten Lieder ihr, war sie nicht die beste aller Frauen? 
Sie versprach die höchste Huld, doch sie bat noch um Geduld, 
Schon verlangte sie von mir, ihr ein Haus aus Elfenbein zu bauen. 
"Einen See direkt ans Haus, mitten zwischen ewig grünen Bäumen. 
Schnell, mein Diener, mach dich raus!"  Ach, so nutzte sie mich aus. 
Und ich baute an dem Haus, folgte ihren Träumen,  Heiahei! 
Musste fast mein eignes Glück versäumen. 

Mehr, mehr, mehr...


13 EINST GING EIN MÄDCHEN PILZE SUCHEN
Text und Musik: Lothar Jahn 1978

Einst ging ein Mädchen Pilze suchen, ganz tief im finstern Tann.
Doch konnt sie keinen finden, im ganzen Wald nicht einen,
So saß sie auf den Steinen
Und fing zu weinen an.

Da trat herbei ein altes Weiblein, das sprach sogleich zu ihr:
"Die allerschönsten Pilze wachsen in meinem Garten,
Die dort nur auf dich warten.
Komm mit, ich zeig sie dir!"
 
Ja, bei des alten Weibleins Hütte, da war ein großes Feld -
"Schau nur, welch schöne Pilze, hier kannst du weitersuchen.
Kannst, was du willst, versuchen!
Pflück ab, was dir gefällt!"
 
Dort bei des alten Weibleins Hütte war auch ein großer See.
"Siehst du den Mann dort baden, der ist heut lang geritten!"
Schon kam mit schnellen Schritten
Das Mädchen in die Näh.
 
"Ich brauch nicht länger weitersuchen, du schlanker Reitersmann!
Der schönste aller Pilze, der wächst in deinem Garten.
Ich kann es kaum erwarten,
Bis ich ihn kosten kann!"
 
Einst ging ein Mädchen Pilze suchen, ganz tief im finstern Tann.
Der schönste aller Pilze wuchs zwischen ihren Händen.
So muss mein Lied nun enden
Beim schlanken Reitersmann.

So muss mein Lied nun enden
Beim schlanken Reitersmann.


14 DER GIMPEL-GeMPEL
Text: Lothar Jahn 1999, Nachdichtung von Neidharts "Ich het an sî gewendet"  (13. Jh.)
Musik: Lothar Jahn nach Kerenstein (Strophe) und Tannhäuser (Refrain)

Auf sie nur war gerichtet mein Trachten und mein Tun. 
Für sie hab ich gedichtet, sie ließ mich niemals ruh'n.
"Sag, was könnt Ihr mir zeigen an Gütern und an Pracht?"
"Dies Haus nur ist mein eigen, das mir Mama vermacht. 
Das möchte ich so gerne mit Euch teilen."
"Oh Gott! Da könnt' ich keinen Tag verweilen."

/Mehr, mehr, sie will immer, immer mehr,
Noch viel mehr als vorher, sie will immer, immer mehr. 

Die, der ich einst in Treue meinen Dienst erbot,
Sie brachte stets aufs Neue mir nur große Not.
Ich schenkte schöne Dinge, doch nichts war gut genug:
Tücher, Perlen, Ringe, die sie niemals trug.
Nun trägt sie einen Gürtel, rot wie Feuer.
“Einem Rittersmann aus Wien war nichts zu teuer!”

Mehr, mehr, mehr...

Ich bin ihr nachgegangen, ich folgte ihr ins Holz.
Dort wurde sie empfangen von ihrem Ritter stolz.
Der fackelte nicht lange, der kam sehr schnell zum Ziel,
Als er in seinem Drange mit ihr zu Boden fiel.
Er schob in ihre schönen weißen Hände
Den Gimpel-Gempel. Ach, ahnt ihr schon das Ende?

Sie zog den Gimpel-Gempel mit ihrer weißen Hand
Hinab zum Freudentempel, bis er die Pforte fand.
"Beweg nun deinen Hürzel-Bürzel tüchtig,
Dann macht der Gimpel-Gempel alles richtig.
Hurra! Oh ja! Wer kommt denn da???"

Mehr, mehr, mehr...



15 DER MITTWOCHSMANN
Text und Musik: Lothar Jahn 2017

Sie wusste alles aus dem Radio, kannte alle neuen Platten
Und sie liebte alle Laster, die die Rock-Idole hatten.
Sie fand jede freche Botschaft, die in Liedertexten steckte,
Und sie sah verboten gut aus, dass man sich die Finger leckte.
Oh sie drückte ihre Knie gegen meine,
Schon war sie ein ganzes Jahr für mich die Eine.
Doch ich war der Mittwochsmann, der Mittwochsmann,
An andren Tagen tat sie so, als ging sie das nichts an.
Ich war ihr Mittwochsmann, ihr Mittwochsmann.

Sie wusste alles aus dem Radio, die verrücktesten Geschichten.
Sie war immer hell begeistert, da wollt ich auch selber dichten.
Meine sehnsuchtsvollsten Zeilen konnte ich für sie nur schreiben.
Trotzdem durfte ich nur grad mal 2,3 Stunden bei ihr bleiben,
Dann presste sie mich an die herrlich großen Brüste,
Wenn sie mir die Lippen wund und wunder küsste.
Ach, ich war der Mittwochsmann, der Mittwochsmann,
Nur in ganz, ganz guten Wochen war ich auch mal sonntags dran,
Mittwochsmann, ihr Mittwochsmann.

Sie wusste einfach alle Tricks, sie war mein Eros-Guerillero,
Bei ihr wurde ich zum Stier, aber sie war der Torero.
Denn sie spielte nur zu gerne diese wilden, heißen Spiele.
Hey, die Woche ist zu lang, es sind sechs Tage zu viele!
Aber ließen wir vom Radio uns verwöhnen,
Die Top Twenty übertönte unser Stöhnen,
War ich gern der Mittwochsmann, der Mittwochsmann,
Hey, am Mittwochabend fing für mich das Leben endlich an,
Mittwochsmann, der Mittwochsmann,
Da fragte ich nicht länger nach "Warum" und nicht nach "Wann",
Mittwochsmann, ihr Mittwochsmann.

Hm, sie wusste, was sie wollte, schließlich gab's ja feste Tage,
Und wenn jeder sich dran hielt, war da auch kein Grund zur Klage.
Denn nur Donnerstag und Freitag hauchte sie die and'ren Namen,
Doch wer bitte war'n die Kerle, die am Montag, Dienstag kamen?
Ja, so hat sie in den Wahnsinn mich getrieben.
Da beschloss ich, sie auch mittwochs nicht zu lieben

Und da weinte sie um mich zum ersten Mal. 


16 HEUT NACHT
Text und Musik: Lothar Jahn 1988

Mein Gott, ist das spät, die Probleme sind hart
Und längst noch nicht ausdiskutiert.
Uns quälten die Liebe, das Geld und der Staat,
Und nix davon hamwer kapiert.
Zwar hatte der Abend bestimmt seinen Sinn,
Zwar war das sehr wichtig und nett.
Doch ich liege grübelnd und merke: Ich bin
Mit meinem Verlangen alleine im Bett.

Wenn mich heut nacht keiner will,
Soll's ja wohl eben nicht sein,
Wenn mich heut nacht keiner will,
Dann will ich mich eben allein,
Genieß ich mich eben allein.

Na, heut hast du wohl deinen Lover bei dir
Und ich häng hier vor dem TV.
Verfolg jeden Unsinn und kipp noch'n Bier,
Doch plötzlich begreif ich: Genau -
Ihr seid einfach alle bescheuert zur Zeit,
Wenn ihr meine Schönheit nicht seht.
Und tat ich mir eben noch fürcherlich leid,
Jetzt tu ich mir gut! Ja, ich weiß noch, wie's geht!

Wenn mich heut nacht... (ohne letzte Zeile)

Wenn mich heut nacht... (alle Zeilen)

Wenn mich heut nacht...

(gesprochen:) Genieß ich mich eben allein.


17 SCHLOSS DER VENUS
Text und Musik: Lothar Jahn 1988

Auf den Stufen lautes Rufen:
Alle Türen steh'n euch weit auf!
Grenzen fallen, Glück nur allen.
Lasst uns leben! Freut euch drauf!

Frühlingsduft im Schloss der Venus:
Die Gefühle spielen verrückt.
Freche Neugier, wilde Sehnsucht.
Keine Frage, dass das glückt!

Auf den Fluren schwache Spuren. 
Horch! Wer schleicht dort? Was ist sein Ziel?
Darf man hoffen? Tür bleibt offen.
Etwas Liebe, noch mehr Spiel.

Sommerpracht im Schloss der Venus:
Die Hormone spielen verrückt.
Kalte Neugier, heiße Sehnsucht.
Soviel Hoffnung, dass das glückt.

Manchmal hilft dir die Verführung,
Manchmal werden Träume wahr
Von Erlösung durch Berührung.
Machmal geht das! Aber ja!

In den Zimmern Kerzenflimmern.
Leises Flüstern: Was jetzt wohl wird?
Alles dreht sich. Alles geht nicht.
Doch man weiß nicht, ob man irrt.

Langer Herbst im Schloss der Venus:
Alte Ängste spielen verrückt.
Kaum noch Neugier, noch mehr Sehnsucht.
Keiner glaubt noch, dass das glückt.
 
Nach Gewittern banges Zittern.
Hat dies Haus denn kein Fundament?
Alle packen ihre Sachen,
Weil hier keiner keinen kennt.


18 NICHTS BLEIBT, WIE'S WAR
Text und Musik: Lothar Jahn 1993

Zuviel vertan, zuviel verspielt,
Zu oft das Ziel verfehlt.
Zu früh gefreut, zu spät bereut
Und falsch gewählt.

Ein kleiner Trost, ein kluger Rat,
Ein schwacher Schritt nach vorn,
Zu wenig Mut und zuviel Stolz
Und doch verlor'n.

In Dunkelheit und Einsamkeit
Und Selbstmitleid verirrt.
Vom Fragen dumm, vom Klagen stumm
Und so verwirrt.

Verzweifelt stark, verteufelt hart,
Mit bösem Schwung ans Licht,
Die ganze Welt jetzt mit Gewalt,
Ja klappt das nicht?

Ein tiefer Blick, ein liebes Wort,
Erst langsam wird es klar:
Ein Wiederseh'n, ein Weitergeh'n,
Nichts bleibt, wie's war.


19 MINNEWUND
Text: Lothar Jahn 2002 nach Ulrich von Liechtenstein (13. Jh.)
Musik: Lothar Jahn 2002

Wenn ein Mann spüren kann,
Dass die Frau, die er liebt,
Ihn umfängt, zu ihm drängt -
Ob es noch Schön'res gibt?
Glück entsteht, Trauer geht,
Wer einst fror, dem wird jetzt warm.
Echtes Glück bleibt zurück,
Wenn ein zarter weißer Arm
Die Schwermut nahm.

Wem Gott gibt, dass er liebt,
Der darf nun fröhlich sein,
Frei von Leid, ganz bereit
Für noch mehr Maienschein.
Dem wird gut, der voll Mut
Spielt der Liebe Freudenspiel.
Helles Leben wird es geben
An der edlen Minne Ziel,
Sie schenkt so viel.

Minne Sold wird gezollt
Voll und ganz, wenn ein Mann
Und ein Weib ihren Leib
Sich zum Dienst bieten an.
Decke fort! Freudenort
Soll dies Bett für beide sein.
Mehr geschieht, als man sieht,
Ein vielhitzeroter Mund
Wird minnewund...

... und dann gesund!



20 EIN LIEBLICH ABENTEUER
Text und Musik: Lothar Jahn 2003 nach  Wizlaw (von Rügen) (13. Jh.)

Preist mit mir ein lieblich’ Abenteuer!
Lobt auch der Minne Feuer
Kräftig, denn das ist es wert!
Ihre Schönheit strahlt wie tausend Sonnen,
Und des Auges Wonnen
Sind’s doch, die das Herz begehrt.
Diese Kraft will mich zu ihr nur führen,
Öffnet alle Türen,
Minne, sie zwingt mich mit Macht, sie ganz sacht zu berühren,
Dass sie Lust erfährt.

Sie traf mich durchs Auge tief ins Herze,
Sie entflammte die Kerze
Heftig, dem entkommt man nicht.
So beraubte sie mich meiner Sinne,
Ach, die liebliche Minne
Nahm mir schließlich jede Sicht.
Liegt am Schluss das Herz nur auf der Waage,
Was soll dann die Klage?
Liebste, ich weiß doch, dass ich nur noch Liebliches sage,
Lieb’ lockt Lieb’ ans Licht.  


(c) Lothar Jahn 2018, Nachdruck aller Texte nur erlaubt unter Autorenangabe und Information des Autors.