MITTELALTERLICHE VORTRÄGE
von und mit Dr. Lothar Jahn
Dr. Lothar Jahn, Kulturjournalist und promovierter
Musikwissenschaftler, künstlerischer Kopf des Musiktheaters Dingo,
des Minnesänger-Wettstreits und anderer Mittelalter-Events, ist
auch als Vortragsreisender in Sachen mittelalterlicher Kultur und
Zeitgeschichte unterwegs. Die ebenso informativen wie unterhaltsamen
Vorträge werden oft mit mittelalterlicher Live-Musik kombiniert
- entweder sind die Sänger und Spielleute vom Musiktheater Dingo
dabei oder ein bekannter Minnesänger (z.B. Knud Seckel oder Jochen
Faulhammer).
Folgende Vorträge sind zur Zeit im Programm:
ELISABETH VON THÜRINGEN
und ihre Zeit
Thüringen,
1211. Das Land ist in die nicht enden
wollenden Kriege zwischen Welfen und Staufern um den deutschen
Königsthron verwickelt. Landgraf Hermann hat dabei bereits sieben
Mal die Seiten gewechselt. Immer neue Truppen überfallen das
Land. Doch während das Volk kämpft und darbt, feiert er
prunkvolle Feste, lädt die besten Sänger und Dichter an
seinen Hof. Um seine Macht zu festigen will der Landgraf die
Verbindungen nach Osten stärken. Dafür arrangiert er die
Heirat seines Sohnes mit der ungarischen Königstochter Elisabeth,
die er deshalb bereits im Alter von nur vier Jahren an seinen Hof
bringen lässt. Doch bald schon zeigt sich: Elisabeth ist anders.
Die höfische Pracht ist ihr egal. Sie lädt Kranke und Arme zu
sich.Sie stellt alles in Frage, was bei Hofe gilt. Darf eine solche
Frau das Sagen haben? "Lothar
Jahn schildert den politischen und gesellschaftlichen Hintergrund, vor
dem sich das Königskind, das im Alter von vier Jahren aus ihrer
Heimat Ungarn an den fernen Fürstenhof in Thüringen geschafft
wird, entwickeln und bewähren musste." (HNA 26.1.2007)
>>
Das Vortragsprogramm mit Musik und Szenen des Musiktheaters Dingo wird
am 11.6.2009 um 18 Uhr in der Ev. Kirche von Wabern-Harle dargeboten.
Ab 2009: RICHARD LÖWENHERZ
Auf den Spuren eines Königs
Richard
Löwenherz (1157 - 1199), der Sohn des englischen Königs
Heinrich II. und Eleonore von Aquitaniens (erst Gattin des
französischen, später des englischen Königs),
führte Krieg gegen den eigenen Vater, zog gleich nach seiner
Krönung vom unwirtlichen England aus ins Heilige Land. Dort machte
er sich einen Namen als mutiger Kämpfer und Heißsporn, der
sich bei seinen eigenwilligen Aktionen schnell auch Verbündete zu
Feinden machte. Das wurde ihm bei der Rückreise zum
Verhängnis: Er wurde vom Babenberger Herzog Leopold V. ("der
Tugendhafte") gefangen genommen und an den Deutschen Kaiser verkauft,
der ihn u.a. auf der Burg Trifels festhalten ließ, bis für
ihn schließlich das größte Lösegeld der
Weltgeschichte (etwa 60 Eimer Silber) gezahlt wurde. Der Urenkel des
"ersten Troubadours" Wilhelm IX von Aquitanien war ein Freund der
Künste und schrieb auch selbst eine Melodie, die uns noch heute zu
Herzen geht. Lothar Jahn ordnet Richards Leben in die Wirren der Zeit
und den Kontext von Minne- und Troubadourgesang ein.
FALKEN, LERCHEN, NACHTIGALLEN
Ein Streifzug durch die Geschichte des Minnesangs
Immer wieder aufgeführt und gerne gehört: Der Blick ins
höfische Leben zur Zeit von der Frühphase des
donauländischen Minnesangs über das Erblühen des Genres
in "Minnesangs Frühling" über die lyrischen Meisterleistungen
von Reinmar, Walther oder Gottfried von Neifen bis hin zu den
satirischen Gegenentwürfen zum Leidens-Pathos des hehren Dienstes
an der "vrouwe". Der Rundumschlag endet beim "letzten Minnesänger"
Oswald von Wolkenstein. "Zu
den von Lothar Jahn mit launigen Worten vorgestellten Minnesängern, sei
es nun Walther von der Vogelweide, dem heute wohl noch bekanntesten
Dichter des Mittelalters, oder dem entsagenden, klagenden Reinmar von
Hagenau sowie dem kraftvollen Neidhart von Reuental, spielten die
Darsteller und Musiker Kostproben. Hier die unterwürfige Anbetung der
hohen Dame, deren Anmut und Liebreiz gepriesen wird, dort die
sinnesfrohe Minne mit den deftigen Schilderungen des prallen Lebens." (HNA 27.9.2000)
WALTHER VON DER VOGELWEIDE
Zwischen Wien und Wartburg
Wie soll man sich dem deutschen Minnesänger und
Sangspruchdichter nähern, dessen Namen jeder kennt, von dessen
Leben aber die meisten nur wenig wissen? Der vom Zeitgenossen Gottfried
von Straßburg als "Nachtigall" gerühmte Künstler hatte
viele Seiten - er war eine rebellische Natur, die sich mit vielen
Mächtigen inklusive dem Papst anlegte; er war ein brillanter
Sänger mit herrlicher Stimme; ein sensibler Lyriker, der die
Konventionen des Minnesangs infrage stellte; ein fahrender Spielmann,
der immer um sein Auskommen fürchten musste! Walther wird durch
markante seines Schaffens vorgestellt und in den Zusammenhang der
Tradition des Minnesangs gerück. Die bewegten Jahre Walthers am
Wiener und am Thüringer Hof werden ebenso lebendig wie die Zeit
der Kreuzzüge und des unseligen Streits zwischen Welfen und
Staufern um die Krone.
WIZLAW VON RÜGEN -
politischer Versager, musikalisches Genie
Die Biografie Wizlaw von Rügens (ca. 1265 - 1325) ist
höchst interessant: Sein Vater Wizlaw II war eine weise,
unangefochtene Herrscherpersönlichkeit, der die
Regierungsgeschäfte bis zu seinem Tod 1304 führte. Wizlaw
dagegen war ein Freigeist und konnte zudem nicht besonders gut mit Geld
umgehen. Ein Schuldner, der sich von ihm provoziert fühlte, machte
ihn mit einem Messerstich zum "Prinzen Hinkefuß". Erst als ca.
40-Jähriger übernahm Wizlaw den Thron, auf Wunsch seines
Vaters gemeinsam mit seinem Bruder Sambors. Die beiden gerieten in
einen Dauerstreit, bis sie sich 1306 in einem noch überlieferten
Dokument auf gegenseitigen Frieden festlegten. Nach Sambors Tod
gerät Wizlaw in die Kriege des mächtigen, mit ihm
verbündeten dänischen Königs Erich Menved gegen die
aufstrebenden Hafenstädte (spätere Hanse) hinein. Dem
glücklosen Politiker steht der begnadete Künstler
gegenüber. In seinen wunderschönen Minneliedern zeichnete er
das Bild einer Partnerschaft, das über die damaligen feudalen
Realitäten hinausging. Dies gilt auch für seine
Sangsprüche, die sich auf ernsthafte Weise mit moralischen und
gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen. Vor allem sein
Schicksals-Sangspruch weist weit über das Mittelalter hinaus,
indem er die der die damals im Denken fest verwurzelte Ergebenheit in
ein festgelegtes und vorherbestimmtes Leben radikal in Frage
stellt. Der Vortrag holt eine schillernde Persönlichkeit ans
Licht, seine Musik lässt uns noch heute das Herz aufgehen.
DER SÄNGERKRIEG AUF DER WARTBURG
Legende und Wirklichkeit
"Der
Sängerkrieg auf der Wartburg" ist eine Dichtung, die sich in -
zumindest auszugsweise - in so gut wie allen mittelalterlichen
Liederhandschriften findet. Das literarische Werk überhöht
und verfälscht sicher die Realität, jedoch verweist gerade
die Häufigkeit, mit der des Ereignisses gedacht wird, auf ein
Ereignis, das tatsächlich zum höfischen Leben des politisch
geschickten und als künstlerischer Mäzen gefeierten
Landgrafen Hermann I. von Thüringen (Regierungszeit: 1190 - 1217,
gest. 1217) gefallen ist. Verbürgt ist, dass Hermann ein
Förderer der Künste war: Wolfram von Eschenbach und Walther
von der Vogelweide fanden an seinem Hof ein Wirkungsfeld. Der Vortrag
setzt sich mit der Sängerkriegslegende und iher Überlieferung
auseinander - vom realen historischen Umfeld bis hin zum Niederschlag,
die sie in Werken der Romantik von Novalis bis Wagner, von den
Brüdern Grimm bis E.T.A. Hoffmann fand. Dazu gibt es musikalische
Beispiele von Sängern, die am Thüringer Hof wirkten, und aus
den überlieferten Melodien zum Sängerkrieg.
OTTO IV.
Der glücklose Kaiser
Im
Jahr 1209, also vor 800 Jahren, wurde nach langen Streitigkeiten
über seine Legitimität Otto IV. zum Kaiser gekrönt.
Möglich wurde die Krönung des einzigen Welfenkaisers durch
den plötzlichen Tod seines Widersachers Philipp von Schwaben aus
dem Hause der Staufer, der aufgrund eines persönlichen
Racheaktes ermordet worden war. Nun stellten sich auch die bisher
erbitterten Gegner hinter den vom Papst unterstützten Kaiser Otto.
Doch der weltgewandte, den Künsten und der Geschichte zugewandte
Sohn von Heinrich dem Löwen und Mathilde von England, der am Hofe
seines Onkels Richard Löwenherz aufgewachsen war, überwarf
sich bald mit dem Papst und provozierte neuen Streit, so dass Friedrich
II. als neuer Gegenkaiser aufgebaut wurde und nach jahrelangen
Kämpfen den glücklosen Braunschweiger, der einst von Walther
von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach gepriesen worden war, vom
Thron jagte.
>> Bei Interesse
wenden Sie sich
bitte an: Dr. Lothar Jahn, Guderoder Weg 6, 34369 Hofgeismar,
05671-925355. Oder direkt per Mail an den Autor. Auch Spezialveranstaltungen nach ihren Vorstellungen können entwickelt werden.