INFORMATIONEN ZUM LIED "GOSPODIN PRESIDENT"
Cover Gospodin president Der in Deutschland lebende russische Autor Alexander Delfinov hat kurz nach dem Einmarsch der russischen Truppen in der Ukraine das Gedicht "Präsident und Deserteur" geschrieben, der Berliner Slawistik-Professor Georg Witte hat das Gedicht auf deutsch übersetzt. Mit Genehmigung von Autor und Übersetzer hat der Hofgeismarer Liedermacher Lothar Jahn eine Vertonung des Gedichtes gemacht, um mit seiner eigenen Erschütterung über den Angriffskrieg Putins fertig zu werden.

15 Künstlerinnen und Künstler haben das Lied nun in einer Gemeinschaftsversion aufgenommen. Bands, Instrumentalisten, Sängerinnen und Sänger aus ganz Deutschland und der Schweiz haben sich zusammengetan, um mit der Gemeinschaftsversion eines bewegenden Liedes den Verein Connection e.V. zu unterstützen. Alle Beteiligten sind ohne Gage dabei, die Einnahmen der Downloads gehen an den Verein, um russischen Deserteuren zu helfen.

Die Beteiligten sind:

CHRISTOPH BÜRGIN (Schaffhausen), BLUES JUICE (Kassel), GALAHAD (Dinslaken), GROOVY PIKE (Flensburg/Kassel), CLAUDIA HAUPT (Kassel), COSIMA HOFFMANN (Berlin), KNISTELFITZ (Lohfelden), LOTHAR JAHN (Hofgeismar), ISABEL KRAFT (Würzburg), ALEX „SKANDOR“ KREIT (Hannover), MUSIKTHEATER DINGO (Hofgeismar), KNUD SECKEL (Alsbach), MARCUS VAN LANGEN (Bad Tölz), JOSEFINE WAHL (Berlin) und GUNNAR WIEGAND (Lauenstein)

Das Lied kann zum Preis von 5 Euro heruntergeladen wurden auf der Seite Bandcamp, gerne werden auch höhere Spenden entgegengenommen. Hier der Link: 

https://connected-artists.bandcamp.com/track/gospodin-president-connected-mix

Neben dem Gemeinschaftsmix gibt es bei Bandcamp auch weitere Versionen des Liedes zum Download, darunter die Originalversion von Lothar Jahn. Weitere Alternativen sollen noch folgen, alle Varianten findet man unter:
https://connected-artists.bandcamp.com/album/gospodin-president


Ein Video von Lothar Jahns Originalversion des Liedes gibt es auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=AKeq2zQHr6g

Lothar Jahn singt und spielt auf der Single auch alle Begleitinstrumente bis auf die Schalmei, die von der Berliner Folk-Musikerin Cosima Hoffmann beigesteuert wird.
Die Grundidee, ausgehend vom Wort "Gospodin" ("Herr", in der Liturgie als Synonym für "Gott" gebraucht), war eine Art Litanei, inspiriert vom russisch-orthodoxen Kirchengesang mit Tonwiederholungen, dies verband sich in der Realisierung einem Liedvortrag im Stil des berühmten russischen Folklore-Barden Wladimir Wissotskij. In die Begleitung flossen dann, in ironisierter Form, heroische Elemente wie Bläser, pathetische Chöre, Marschrhythmen und Hardrock-Anklänge ein, dazu Kriegsgeräusche wie Sirenen, Hubschrauber- und Panzergeräusche und eine Fernsehaufzeichnung der Putin-Androhung des Einsatzes von Atomwaffen.

Autor Alexander Delfinov schrieb zur Gedichtvertonung: "Lieber Lothar Jahn! Das Lied finde ich sehr schön und... na ja..., schwer zu erklären, aber ich versuch's. Vor vielen Jahren als Kind in der Sowjetunion hörte ich zuhause die Musikcassetten meiner Mutter, die sie von  ihrer Reise in die DDR mitgebracht hatte. Das war unter anderem Wolf Biermann oder auch Konstantin Wecker und Hannes Wader und noch einige Liedermacher aus den 60ern und 70ern. Ich verstand damals kein Wort Deutsch, aber diese Lieder haben mich sehr beeindruckt. Jetzt hatte ich ein plötzliches Flashback. Es ist so, als ob ich mich selbst teilweise in so einen auf Deutsch singenden Künstler verwandelte... So merkwürdig, aber schön ist es, eigene Worte in einer anderen Sprache und dabei noch als Lied zuempfinden! Vielen Dank für dieses Erlebnis!"


Lothar Jahn wurde 1957 geboren, er lebt in Hofgeismar, spielte früher in Deutsch-Rock-Bands und betreute diverse Musical-Projekte. Er leitet seit 1978 das Musiktheater Dingo, mit dem er 1990 die russische Rock-Oper "Avos!" von Alexej Rybnikov und Andrej Vosnessenskij in einer deutschen Fassung auf die Bühne brachte. Rybnikovs Musik war eine der Inspirationsquellen für das neue Stück. Jahn schrieb auch ein Musical auf Grundlage der Dystopie "Wir" des russischen Dichters Jewgenij Samjatin. Seit 2000 ist er bekannt in der Mittelalter-Musikszene, vor allem als Organisator von Minnesänger-Wettstreiten. Er war künstlerischer Leiter des Europäischen Minnesangfestivals 2009 in Braunschweig. Als Liedermacher ist er seit 1970 aktiv und legte 2019 „Lothars Liederbuch“ mit Noten und Texten von 100 eigenen Werken vor. Seit 2020 moderiert er die Talk- und Musiksendung „Lothars Liedertreff“ beim Offenen Kanal Kassel. Jahn ist Carl-Maria-von-Weber-Preisträger der Stadt Dresden. Er ist auch als Multi-Instrumentalist aktiv, im Mai 2022 erscheint beim amerikanischen Label "Lion Productions" sein Konzept-Album "Dreams of 75".

Alexander  Delfinov wurde 1971 in Moskau geboren, lebt seit über 20 Jahren in Deutschland. Alexander Delfinov ist eine der markantesten Figuren der russischsprachigen poetischen Szene. Er ist Dichter, Slampoet, Journalist und Aktivist für Menschenrechte. Er kämpft gegen Stigmatisierung von Menschen mit geistigen Problemen. “Ich bin ein russischsprachiger Dichter”, sagt er über sich selbst, “Und das ist viel breiter, als russisch zu sein. Ich identifiziere mich mehr mit den paneuropäischen liberalen und demokratischen Werten, die im modernen Russland nicht zu finden sind”.

Der Übersetzer Prof. Dr. Georg Witte wurde 1952 geboren und  ist Professor für Slavische Literaturen und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin.

> Der Originaltext der deutschen Fassung hier bei Deutschlandfunk Kultur. Aufgrund der Sangbarkeit wurde der Text für die Liedfassung an einigen wenigen Stellen vom Interpreten leicht abgeändert, ohne den Sinn zu verfälschen.
> Eine englische Übersetzung findet sich hier. Die russische Originalfassung findet sich im Youtube-Video des Liedes.
> Notenblatt mit Text und Originaltext als PDF hier.

UPDATE AUGUST 2022:
Der 1976 in der Ukraine geborene Dima Makliakov – Liedermacher, Regisseur, Sänger der Band DVS, lang Akteur am Vissotskij-Theater in Kiew, inzwischen in Polen wohnhaft - singt das Lied „Gospodin president“ nun auch auf russisch. Dazu schreibt Lothar Jahn:"Stilistisch hatte ich mir die russische Version meiner Melodie tatsächlich von Anfang an in der Tradition des großen russischen Liedermachers Vladimir Vissotskij vorgestellt, und den hat Makliakov offenbar mit der Muttermilch aufgesogen."
Doch Makliakov ist kein Epigone, sein Spektrum reicht von Chanson über russische Folklore bis zum Blues, er interpretiert mit Hintersinn und großem Charisma. Wie er dadurch die von der Monotonie der orthodoxen Psalmodie mit ihren Tonwiederholungen geprägte Melodie des Liedes aufblühen lässt, das ist faszinierend. Vor allem aber setzt es Alexander Delfinovs überragenden Text stilsicher in Szene.
> Russische Version zum Download bei Bandcamp.

KONTAKT:
Lothar Jahn, Guderoder Weg 6,34369 Hofgeismar, 05671-925355. www.lothar-jahn.de, E-mail-Kontakt hier